Patientenforum Herzinsuffizienz: Bewegung und Ernährung gegen ein schwaches Herz

Updated: Jan 10, 2019

Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen und Kurzatmigkeit sind häufige Symptome für Herzinsuffizienz


Beim Patientenforum Herzinsuffizienz der pronova BKK sprach Dr. med. Peter Travnik über Symptome und Diagnostik der Herzinsuffizienz aus hausärztlicher Perspektive. Für Mambo beantwortet der Arzt für Allgemeinmedizin aus Leverkusen noch einmal sechs der wichtigsten Fragen zum Thema und zur Rolle des Regionalen Gesundheitsnetzes Leverkusen bei der Versorgung herzkranker Patienten.


Herr Dr. Travnik, in Deutschland leiden annähernd zwei Millionen Menschen an Herzinsuffizienz. Wie merke ich überhaupt, dass ich eine solche Herzschwäche habe und wann sollte ich auf jeden Fall zum Arzt gehen?


Eine Herzschwäche kommt oft schleichend. Häufige Symptome sind Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen und Kurzatmigkeit. Manche Patienten bekommen im Liegen Luftnot und fühlen sich wohler, wenn sie in einer erhöhten Sitzposition schlafen. Manchmal fällt den Patienten selbst eine körperliche Veränderung dieser Art gar nicht auf. Deshalb ist es immer auch wichtig, auf den Partner zu achten und ihn gegebenenfalls zu einem Arztbesuch zu motivieren.


Gibt es bestimmte Personengruppen, die besonders gefährdet sind und was muss ich beachten, wenn bei mir eine Herzinsuffizienz diagnostiziert worden ist?


Besonders gefährdet sind Patienten mit hohem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen des Herzmuskels (Myokarditis), Diabetes und Chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD). Auch Raucher gehören zu den Menschen, die anfälliger für Herzinsuffizienz sind.

Ist ein schwaches Herz diagnostiziert worden, ist eine Grippeimpfung schon fast Pflicht. Denn jede Grippe oder gar Lungenentzündung kann schwere Folgen haben – bis zum Tod. Auch seine Ernährung sollte man bei Herzinsuffizienz anpassen: nicht zu fettig, nicht zu süß und wenig Alkohol. Das heißt nicht, dass es nicht auch mal eine Praline sein darf, aber bitte nicht gleich die ganze Schachtel.

Mein Tipp: Mindestens zweimal im Jahr Blut abnehmen lassen, um so die Leber- und Nierenwerte zu kontrollieren.


Welche Behandlungsmöglichkeiten in der Allgemeinmedizin gibt es und wann sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden?


Es gibt medikamentöse Therapien in regelmäßiger Abstimmung mit dem Hausarzt. Fast ebenso wichtig ist aber wie erläutert die Anpassung des Lebensstils: Übergewicht reduzieren, auf Ernährung und Salzgehalt der Nahrung achten und gegebenenfalls den Flüssigkeitshaushalt kontrollieren. Hilfreich kann es auch sein, ein Tagebuch über Beschwerden zu führen. Daraus kann der behandelnde Arzt eventuelle Frühwarnindikatoren herauslesen. Aufmerksam werden sollte, wer in kürzester Zeit drei und mehr Kilo zunimmt. Wiegen Sie sich also ruhig regelmäßig – und bei plötzlicher Gewichtszunahme zum Arzt.


Bedeutet Herzschwäche, dass ich ab sofort jede Anstrengung vermeiden und regelmäßig Medikamente nehmen muss oder gibt es spezielle Trainings?


Wie jeder andere Muskel im menschlichen Körper wird auch das Herz schwächer, wenn man sich nicht bewegt. Also: Auf keinen Fall nur liegen, egal welche Stufe der Herzinsuffizienz diagnostiziert worden ist. Gezielte Bewegung wie moderates Spazierengehen ist gut. Wichtig: Tempo und Distanz bestimmt jeder Patient selbst.


Welchen Beitrag zur Versorgung der Patienten kann das des Regionale Gesundheitsnetz Leverkusen spielen?


Das Regionale Gesundheitsnetz kann unterstützen, einen individuellen Fahrplan zu entwickeln, an dem entlang sich die Patienten dann bewegen können. Eine spezielle Rolle nehmen auch die MoniKas ein, wenn sie gefährdete Patienten regelmäßig besuchen und das Tagebuch mit den Aufzeichnungen über Blutdruck und Gewicht durchsprechen oder Hilfestellungen geben. Diese soziale Beobachtung zu Hause ist ein wichtiger Baustein, den wir Hausärzte nicht leisten können.


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